
Pisa II zeigt: Deutschlands Schüler sind durchaus intelligent. Aber die Schulen schaffen es nicht, dies in fachbezogenes Wissen umzumünzen.
Länder mit gut qualifizierten Schulsystemen haben im PISA-Schultest 2003 besser abgeschnitten als 2000.
Spitzenreiter im Schwerpunktfach Mathematik sind Finnland, Korea und Niederlande.
Weiter wurden die Bereiche Problemlösungen, Naturwissenschaften und Lesekompetenz geprüft. An der Spitze der OECD-Staaten
befinden sich hierbei Finnland, Korea und Kanada.
Insgesamt legten 250 000 Fünfzehnjährige in 30 OECD-Staaten und 11 weiteren Ländern die Prüfungen an den jeweiligen Schulen ab.
Gewinner der Studie 2003 ist Finnland: Das Land konnte die Spitzenposition im Lesen halten und sich in
Mathematik und Naturwissenschaften steigern.
Deutschland landet bei Pisa 2003 im Mittelfeld - beim Mathematiktest belegen die hiesigen Schüler Rang 16.
In Lesen und Textverständnis erreichen sie den 19. Rang, in den Naturwissenschaften den 15. Platz.
Verbessert haben sich in Deutschland GymnasiastInnen, ein leichter Zuwachs ist auch an den integrierten
Gesamt- und an den Realschulen feststellbar. An den Hauptschulen aber hat sich gar nichts getan. Der große
Unterschied zwischen guten und schlechten SchülerInnen, von den Forschern bereits in Pisa 2000 kritisiert,
hat sich also weiter verschärft.
Nicht verbessert hat sich auch die extrem hohe Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft der
Kinder. Ganz im Gegenteil: Dort, wo es Leistungszuwächse gibt, hat sich diese sogar weiter verschärft.
Generell gilt: Ein Kind aus einem reichen und gebildeten Elternhaus hat - bei gleicher Begabung - eine fast
sechsmal größere Chance, das Gymnasium zu besuchen. Wo es dann wiederum viel besser gefördert wird als an
jeder anderen Schule.
"Mit dem jetzigen System der Dreiteilung wird Deutschland das Problem der Chancengerechtigkeit nicht lösen",
sagt OECD-Bildungskoordinator Prof Dr. Andreas Schleicher und entfachte bereits vor der offiziellen Vorstellung der
Pisa-Bildungsstudie eine neue Diskussion über Schulstrukturen.
Hierzulande dominiert das in Gymnasium, Real- und Hauptschule gegliederte Schulsystem. Bildungsexperte
Schleicher rät daher zum Systemwechsel - er favorisiert die Gemeinschaftsschule, in der die Kinder sehr lange
gemeinsam unterrichtet und nicht schon nach der vierten Klasse aufgrund ihrer Leistungen auf verschiedene
Schultypen aufgeteilt werden. Nach den Ergebnis der Pisa-Studie, ist dieser Schultyp tatsächlich erfolgreich.
Als "wichtige Herausforderung für die nächsten Jahre" sehen die Forscher für Deutschland drei Dinge:
"Die Verbesserung der Kompetenzen im unteren Leistungsbereich, die Förderung von SchülerInnen mit
Migrationshintergrund und die Reduzierung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft, Bildungsbeteiligung
und Kompetenzerwerb."
Prof Dr. Andreas Schleicher mahnte erneut eine große Reform der Schulstruktur an, die sich nicht an den kleinteiligen
Interessen einzelner Länder orientiert. Die Weichenstellungen der Kultusminister, zeigen freilich
in eine andere Richtung: Jegliche Einmischung des Bundes lehnen sie ab. Und in der Föderalismuskommission
wird fleißig daran gearbeitet, den Rest an bundesweiter Koordinierung auszumerzen.

Internationale Schulleistungsstudie PISA 2003
IPN an der Universität Kiel
Hier ein Bericht aus Österreich:
Dreimal Erster, einmal Zweiter:
Wie machen das die Finnen?
LINZ. Finnlands Schüler sind wieder eindeutiger Sieger der PISA-Tests. Rasche Reformen, hohe Schulautonomie
und Gesamtschule bis zur neunten Schulstufe prägen das finnische Erfolgsmodell.
"Das Bildungsbewusstsein zählt in Finnland zur Volksidentität", sagt Aslak Lindström, Vizedirektor des
Zentralamtes für Unterrichtswesen in Helsinki. Daher schneide Finnland bei den PISA-Tests deutlich besser
ab als Schweden, obwohl beide Länder ein fast identes Bildungssystem haben.
Aber Bildungsbewusstsein allein erklärt die Leistungen der finnischen Schüler nicht. "Die Lehrpläne werden
bei uns mindestens alle zehn Jahre erneuert", sagt Lindström. Und die Bildungsgesetze stärken die Autonomie.
Schulen und Gemeinden entscheiden mittlerweile weitgehend selbst, was und wie unterrichtet wird, der Staat
gibt nur den Rahmen vor. "Wenn tausend Schulen alle einzeln auf die Veränderungen in der Gesellschaft
reagieren können, dann passieren Reformen in Echtzeit", sagt Lindström.
Eine weitere Konstante ist das Forcieren der Muttersprache sowie von Mathematik und Naturwissenschaften.
In diesen Fächern wurde die Stundenanzahl sukzessive erhöht.
Die Schulpflicht beginnt in Finnland ab dem siebten Lebensjahr, bis zur neunten Schulstufe gibt es eine
einheitliche Grundschule. Unterricht ist durchschnittlich drei Schulstunden (45 Minuten) am Vormittag und
zwei bis drei Einheiten am Nachmittag. Zu Mittag wird den Schülern ein kostenloses Schulessen angeboten.
"Das hat eine enorme Bedeutung - besonders für ärmere Schichten. Wenn ein Kind daran denkt, wann es etwas
zu essen bekommt, lernt es nicht. Regelmäßiges Essen ist Voraussetzung für gutes Lernen", sagt Lindström.
Noten 4 bis 10
In Finnland kann die Leistung bis zur achten Klasse verbal beurteilt werden (die Entscheidung obliegt der Schule).
Danach gibt es ein Notensystem von 4 bis 10, wobei 10 die beste Note ist. Bei ungenügenden Leistungen muss man
eine Klasse wiederholen.
Bildungspolitik gewinnt an Interesse
Vor dem Hintergrund der Diskussion um eine grundlegende Reform des dreigliedrigen Schulsystems und
angesichts der negativen Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie gewinnt offenbar die Bildungspolitik an
Interesse. Deutlich mehr Bürger als bei der letzten Umfrage im August (+ 10 Prozentpunkte) sehen jetzt
im Bereich von Schule und Ausbildung vorrangig zu lösende Probleme.
Umfrageergebniss Dezember 2004
(NDR-SH /externe Seite)
Presseerklärung
22.11.2004
Prof. Dr. Manfred Prenzel
IPN, Kiel,
Sprecher des PISA-Konsortiums Deutschland

Am Rande des Landesparteitages am 23.10.2004 in Lübeck kamen der AfB-Landesvorsitzende Hajo Hoffmann und Ministerpräsidentin Heide Simonis über die Vorstellungen in der Bildungspolitik ins Gespräch
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