
Die Vorabmeldungen zu Ergebnissen von PISA 2003, die seit dem Wochenende in der deutschen Presse kursieren, sind nicht korrekt, methodisch problematisch und unverantwortlich. Aufgrund der vertraglichen Verpflichtungen mit der OECD können die aktuellen Meldungen erst am 7. Dezember 2004 mit den tatsächlichen Befunden konfrontiert werden. Allerdings kann bereits jetzt festgestellt werden, dass die vorliegende Interpretation mit Hilfe von Leistungstabellen bereits in der Grundanlage falsch ist.
Die aktuellen Meldungen in der Presse lassen ein problematisches Verständnis der Vergleiche erkennen, die bei PISA auf nationaler wie internationaler Ebene vorgenommen werden. Die Vorabmeldungen vergleichen Rangplätze und gelangen damit zu unhaltbaren Aussagen. Die vorliegende Erklärung soll dazu beitragen, dass die im Dezember vorzustellenden Befunde in der Öffentlichkeit angemessen interpretiert werden können.
Der internationale Vergleich bei PISA erfolgt anhand der Mittelwerte, die in den teilnehmenden Staaten erzielt werden. Bezugspunkt ist der internationale Durchschnitt, der insgesamt von den OECD-Staaten erreicht wird. Bei PISA 2000 lag Deutschland in allen Basiskompetenzen unterhalb des OECD - Durchschnitts. In PISA 2003 wird diese internationale Einordnung Deutschlands zu überprüfen sein. Dabei werden nicht die Positionen auf den Rängen verglichen, die Deutschland erreicht hat. Wissenschaftlich vertretbar sind hier nur Vergleiche der Mittelwerte unter Berücksichtigung der üblichen statistischen Kriterien (Größe der Differenz, der Streuung und der Stichprobe). Die in den Vorabmeldungen enthaltenen Rangplatzvergleiche sind deshalb nicht belastbar und keineswegs aussagekräftig, um die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Deutschland international einordnen zu können.
Der Vergleich der Ergebnisse, die bei PISA 2000 und 2003 erzielt wurden, beruht auf Tests mit gemeinsamen Aufgaben. Anhand dieser Tests kann man prüfen, ob sich die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler innerhalb eines Landes im Mittel verbessert hat. Bei PISA 2003 können entsprechende Vergleiche vorgenommen werden für die Lesekompetenz, die naturwissenschaftliche Kompetenz und die mathematische Kompetenz. Auch hier werden die Mittelwerte der Erhebungen 2000 und 2003 in Deutschland unter Berücksichtigung der üblichen statistischen Kriterien verglichen, um zu prüfen, ob sich die Kompetenzen substantiell verbessert haben. Dabei kann zudem gefragt werden, ob und in welchen anderen Staaten Abnahmen oder Zuwächse der Kompetenz zu verzeichnen sind. Die aktuellen Vorabmeldungen sind weit davon entfernt, diese Vergleichsmöglichkeiten zu nutzen und bleiben Spekulation. Sie gestatten demnach auch keine Einschätzung, ob Förder-maßnahmen in Deutschland erfolgreich waren.
Schließlich weist das PISA-Konsortium darauf hin, dass die Ergebnisse des Vergleichs der Länder in Deutschland aus untersuchungstechnischen - und nicht aus politischen - Gründen im Herbst 2005 der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der zusätzliche Vergleich von 16 Ländern in Deutschland, in denen ein erweitertes Testprogramm durchgeführt wurde, war zeitgleich mit der Auswertung der internationalen Daten weder vom nationalen noch vom internationalen Konsortium zu bewältigen.
Prof. Dr. Manfred Prenze
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